Sinkende Bewertungen von Softwareunternehmen: Gefährden KI-Agenten bestehende Geschäftsmodelle?

Was hinter der Diskussion um KI-Agenten steckt

In den vergangenen Wochen ist verstärkt darüber diskutiert worden, warum die Bewertungen vieler Softwareunternehmen unter Druck geraten. Neben makroökonomischen Faktoren wie Zinsentwicklung und Investitionszurückhaltung wird dabei ein technologischer Treiber immer wieder genannt: der Aufstieg sogenannter KI-Agenten. Gemeint sind Systeme, die nicht nur einzelne Aufgaben automatisieren, sondern eigenständig Workflows planen, Anwendungen ansteuern und mehrere Softwaredienste miteinander orchestrieren können.

Im Unterschied zu klassischen Softwarelösungen, die über Benutzeroberflächen bedient werden, interagieren KI-Agenten häufig über Programmierschnittstellen. Sie greifen direkt auf Funktionen zu, kombinieren Datenquellen und führen Prozesse automatisiert aus. Für Investoren entsteht daraus die Frage, ob sich die Wertschöpfung von Softwareunternehmen verschiebt. Wenn ein Agent verschiedene Tools im Hintergrund koordiniert, rückt die einzelne Anwendung stärker in die Rolle eines austauschbaren Bausteins.

Diese Entwicklung betrifft insbesondere SaaS-Modelle, deren Geschäftslogik stark an die Nutzung einer bestimmten Oberfläche oder eines klar abgegrenzten Funktionsumfangs gebunden ist. Wenn jedoch Prozesse zunehmend durch autonome Systeme gesteuert werden, verlagert sich der Fokus von der Oberfläche zur Integrationsfähigkeit und zur Qualität der zugrunde liegenden Daten. Nicht die Anzahl einzelner Features entscheidet dann über den Mehrwert, sondern die Einbettung in größere Systemzusammenhänge.

Gleichzeitig ist Vorsicht vor vorschnellen Schlussfolgerungen geboten. KI-Agenten ersetzen nicht automatisch bestehende Softwarelösungen. Sie verändern jedoch die Art, wie Software genutzt wird. Die Diskussion um sinkende Bewertungen ist daher weniger als unmittelbare Bedrohung einzelner Unternehmen zu verstehen, sondern als Hinweis auf eine strukturelle Transformation der digitalen Wertschöpfung. Genau diese Verschiebung lohnt eine genauere Betrachtung.

Warum klassische Softwaremodelle unter Druck geraten

Klassische Softwaremodelle basieren häufig auf klar abgegrenzten Funktionsbereichen. Anwendungen lösen ein spezifisches Problem, bieten dafür eine spezialisierte Oberfläche und werden im Rahmen von Lizenz- oder Abonnementmodellen genutzt. Dieses Prinzip war über viele Jahre erfolgreich, insbesondere im SaaS-Bereich. Der Wert einer Lösung wurde maßgeblich über ihren Funktionsumfang, ihre Benutzerfreundlichkeit und ihre Marktposition definiert.

Mit dem Aufkommen leistungsfähiger KI-Agenten verschiebt sich jedoch der Nutzungskontext. Wenn Prozesse nicht mehr primär manuell über eine Benutzeroberfläche angestoßen werden, sondern automatisiert über Schnittstellen ablaufen, verändert sich die Rolle einzelner Anwendungen. Software wird stärker zu einer ausführenden Komponente innerhalb eines größeren, dynamischen Systems. Der direkte Kontakt zwischen Nutzer und Oberfläche verliert an Bedeutung, während Integrationsfähigkeit und API-Zugänglichkeit an Relevanz gewinnen.

Damit geraten Geschäftsmodelle unter Druck, die stark auf der Exklusivität bestimmter Features oder auf geschlossenen Systemen beruhen. Funktionen, die bislang als Differenzierungsmerkmal galten, können durch agentenbasierte Orchestrierung kombiniert oder teilweise substituiert werden. In diesem Umfeld wird es schwieriger, allein über einzelne Funktionalitäten nachhaltige Wettbewerbsvorteile aufzubauen. Der Wert verschiebt sich von isolierten Leistungsmerkmalen hin zur Fähigkeit, in komplexe digitale Ökosysteme eingebunden zu werden.

Hinzu kommt ein weiterer Aspekt: Wenn KI-Agenten Aufgaben bündeln, vergleichen und optimieren, entsteht ein stärkerer Fokus auf Effizienz und Ergebnisqualität. Software wird weniger danach bewertet, wie umfangreich sie ist, sondern wie gut sie sich in automatisierte Abläufe integrieren lässt. Anbieter, die ihre Systeme nicht entsprechend öffnen oder weiterentwickeln, riskieren, an Relevanz zu verlieren. Nicht weil ihre Produkte technisch unzureichend wären, sondern weil sich der Rahmen der Nutzung grundlegend verändert.

Diese Entwicklung bedeutet nicht das Ende klassischer Softwareunternehmen. Sie erfordert jedoch eine Neubewertung der eigenen Position im digitalen Wertschöpfungsprozess. Geschäftsmodelle, die sich flexibel an neue Integrations- und Automatisierungsanforderungen anpassen, bleiben wettbewerbsfähig. Starre Strukturen hingegen geraten schneller unter Druck, insbesondere in einem Marktumfeld, das zunehmend von Plattformlogiken und vernetzten Systemen geprägt ist.

Was das für Unternehmen bedeutet – nicht nur für Softwareanbieter

Die Diskussion um KI-Agenten betrifft nicht nur Softwareunternehmen selbst. Auch Organisationen, die Software einkaufen und einsetzen, stehen vor neuen strategischen Fragen. Wenn sich die Nutzung von Anwendungen zunehmend in Richtung automatisierter Orchestrierung verschiebt, rückt die eigene IT-Architektur stärker in den Mittelpunkt. Entscheidend ist dann nicht mehr allein, welche Tools im Einsatz sind, sondern wie gut diese miteinander kommunizieren und in Prozesse eingebunden sind.

Viele Unternehmen haben ihre Systemlandschaft historisch aufgebaut. Einzelne Lösungen wurden für spezifische Anforderungen eingeführt, häufig ohne übergreifende Integrationsstrategie. Solange Anwendungen isoliert genutzt werden, bleibt diese Fragmentierung beherrschbar. Sobald jedoch KI-Agenten Prozesse systemübergreifend steuern sollen, werden fehlende Schnittstellen, inkonsistente Datenmodelle und proprietäre Strukturen zu echten Hindernissen.

Ein weiterer kritischer Faktor ist die Qualität und Struktur der zugrunde liegenden Daten. KI-Agenten entfalten ihren Nutzen nur dann, wenn sie auf konsistente, zugängliche und semantisch nachvollziehbare Informationen zugreifen können. In vielen Organisationen liegen Daten jedoch verteilt über unterschiedliche Systeme vor, sind uneinheitlich benannt oder nur eingeschränkt auswertbar. Ohne solides Datenfundament bleibt der Einsatz autonomer Systeme oberflächlich und experimentell.

Zudem verändert sich die Art, wie IT strategisch gedacht werden muss. Statt einzelne Anwendungen zu optimieren, rückt die Gesamtarchitektur in den Vordergrund. Fragen nach API-Fähigkeit, Integrationsstandards und Prozessdurchgängigkeit gewinnen an Bedeutung. Unternehmen, die ihre IT-Landschaft nicht als zusammenhängendes System betrachten, laufen Gefahr, bei der nächsten technologischen Welle lediglich nachzurüsten, statt aktiv zu gestalten.

Die zentrale Herausforderung besteht daher weniger in der Entscheidung für oder gegen KI-Agenten. Sie liegt in der Fähigkeit, bestehende Systeme so aufzustellen, dass sie offen, integrierbar und datengetrieben arbeiten können. Wer diese Voraussetzungen schafft, kann neue Technologien gezielt nutzen. Wer sie ignoriert, wird von strukturellen Defiziten ausgebremst, unabhängig davon, welche Software im Einzelnen eingesetzt wird.

Strategische IT-Aufstellung in Zeiten autonomer Systeme

Die Diskussion um KI-Agenten und sinkende Bewertungen von Softwareunternehmen verweist letztlich auf eine grundsätzliche Frage: Wie zukunftsfähig ist die eigene IT-Architektur? Technologische Umbrüche treffen Organisationen nicht deshalb hart, weil neue Werkzeuge entstehen, sondern weil bestehende Strukturen nicht ausreichend vorbereitet sind. In einem Umfeld, das zunehmend von Automatisierung, Integration und datengetriebenen Entscheidungen geprägt ist, wird die systemische Aufstellung zum entscheidenden Faktor.

Eine strategische IT-Ausrichtung beginnt mit Transparenz. Welche Systeme sind im Einsatz, wie sind sie miteinander verbunden und welche Datenflüsse existieren tatsächlich? Häufig zeigt sich, dass Schnittstellen nur teilweise genutzt werden oder Prozesse manuelle Zwischenschritte enthalten, die langfristig Automatisierungspotenziale blockieren. Eine strukturierte Analyse der Systemlandschaft schafft hier die Grundlage für gezielte Weiterentwicklung.

Darauf aufbauend rücken Integrationsfähigkeit und Datenkonsistenz in den Mittelpunkt. Offene Schnittstellen, klar definierte Datenmodelle und nachvollziehbare Prozessketten erhöhen nicht nur die Effizienz, sondern ermöglichen es, neue Technologien sinnvoll einzubinden. KI-Agenten oder andere autonome Systeme können nur dann Mehrwert erzeugen, wenn sie auf stabile und gut dokumentierte Strukturen zugreifen. Ohne diese Basis bleiben Innovationen isolierte Einzelprojekte.

Gleichzeitig erfordert die Transformation einen Perspektivwechsel. IT darf nicht ausschließlich als Kostenfaktor oder als Sammlung einzelner Anwendungen verstanden werden. Sie ist Teil der Wertschöpfungsarchitektur eines Unternehmens. Wer diese Architektur aktiv gestaltet, schafft die Voraussetzung für Skalierbarkeit, Anpassungsfähigkeit und langfristige Wettbewerbsfähigkeit. Wer lediglich reagiert, wird von externen Entwicklungen getrieben.

Unternehmen, die ihre IT-Landschaft im Kontext von KI-Agenten und automatisierten Systemen prüfen möchten, profitieren von einer strukturierten Bestandsaufnahme und strategischen Einordnung. Dabei geht es nicht um kurzfristige Toolentscheidungen, sondern um nachhaltige Integrations- und Datenstrategien. Ein unverbindliches Gespräch kann helfen, Chancen und Risiken realistisch zu bewerten und konkrete Handlungsfelder zu identifizieren. Die Kontaktaufnahme ist telefonisch oder über das Kontaktformular möglich.